OMR 2026: Zwischen AI-Hype und echter Relevanz

Zwischen AI-Keynotes, Creator Economy, LinkedIn-Talks und überfüllten Coffee Corners wird auf der OMR 2026 vor allem eines klar: Das Internet verändert sich gerade schneller als jemals zuvor.

70’000 Besucher:innen, 800 Speaker:Innen und unzählige Perspektiven später bleibt für mich trotzdem vor allem eine Frage: Was davon wird morgen wirklich noch relevant sein?

Nach vielen Keynotes, spannenden Begegnungen und noch mehr Inputs sind es vor allem drei Themen, die sich wie ein roter Faden durchs gesamte Festival gezogen haben:

  • AI verändert alles, aber nicht ohne den Menschen
  • Communities werden wichtiger als Reichweite
  • Marken müssen relevanter statt einfach nur sichtbarer werden

Und genau darin steckt auch für Unternehmen wie uns enormes Potenzial.

AI ist kein Trend mehr, sondern die neue Infrastruktur

Wenn man die OMR 2026 in ein einziges Wort packen müsste, wäre es wahrscheinlich: AI.

Egal ob Google, LinkedIn, Anthropic, Storyblok oder Yext, praktisch jede Bühne drehte sich um künstliche Intelligenz. Aber spannend war weniger dass AI alles verändert, sondern wie darüber gesprochen wurde. Eine der wichtigsten Aussagen kam von Scott Galloway: "AI will change work, not end work." Und genau dieses Mindset zog sich durch viele Sessions. Es ging nicht mehr um die Frage, ob AI kommt, sondern darum, welche Unternehmen lernen, sinnvoll damit zu arbeiten.

Besonders spannend waren dabei folgende zwei Perspektiven:

AI macht Content einfacher, aber gute Inhalte wertvoller

Anne-Kathrin Gerstlauer brachte es perfekt auf den Punkt: "Wir brauchen nicht noch mehr mittelmässigen KI-Content. Wir brauchen bessere Texte."

Und genau das passiert gerade: Die Produktion von Content wird einfacher. Dadurch steigt aber gleichzeitig der Wert von wirklich guten Ideen, klarer Positionierung und echter Relevanz. AI ersetzt also nicht Kreativität, sie bestraft austauschbare Kreativität.

Sichtbarkeit verändert sich komplett

Mehrere Speaker zeigten zudem, dass klassische SEO-Logiken zunehmend an Bedeutung verlieren. In einer Welt mit ChatGPT, Gemini oder Perplexity geht es nicht mehr nur darum, bei Google zu ranken, sondern darum, überhaupt noch Teil der Antwort zu sein.

Wendi Sturgis (Yext) formulierte es sinngemäss so: Sichtbarkeit entsteht künftig nicht mehr nur durch Rankings, sondern dadurch, von KI-Systemen zitiert zu werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Content muss strukturierter, klarer und vertrauenswürdiger werden. Und genau hier bietet sich riesiges Potenzial für ORIA, denn viele Unternehmen besitzen zwar Daten, Wissen und Inhalte, aber oft keine klare Struktur, keine konsistente Content-Architektur und keine AI-ready Prozesse.

Die Frage wird künftig nicht mehr sein: "Haben wir Content?" Sondern: "Kann AI unseren Content überhaupt verstehen und verwenden?"

Reichweite verliert an Bedeutung, Community gewinnt

Ein zweites grosses Thema zog sich fast durch jede zweite Session: Menschen suchen wieder Nähe. Das wurde besonders deutlich im Talk mit Keily Blair, der CEO von OnlyFans. Und nein, überraschenderweise ging es dort viel weniger um die Plattform selbst als um einen viel grösseren gesellschaftlichen Shift.

Das zentrale Learning: Menschen zahlen nicht mehr nur für Content, sie zahlen für Zugang, Nähe und Community. Creator bauen heute eigene Medienunternehmen auf, unabhängig von klassischen Plattformen oder Brands. Was früher Reichweite war, wird heute Beziehung.

Und genau diesen Gedanken hörte man überall wieder:

  • Brands sollen sich mehr wie Creator verhalten
  • Communities müssen an Bedeutung gewinnen
  • Kommunikation muss mutiger und persönlicher sein

Oder wie ein anderer OMR-Teilnehmer treffend formulierte: "OMR ist wie Real Life LinkedIn. Es ist, was du draus machst."

Die besten Marken sind nicht perfekt, sondern relevant

Einer meiner persönlich spannendsten Talks war jener von Tom Inbal: "Marketing has a courage problem." Eine Aussage, die hängen bleibt, denn viele Unternehmen optimieren heute nur noch:

  • mehr Daten
  • mehr Dashboards
  • mehr Sicherheit
  • mehr Performance

Aber genau dadurch entsteht oft austauschbarer Content. AI wird diese Optimierung künftig übernehmen. Was bleibt, ist Mut.

  • Mut, Dinge auszuprobieren.
  • Mut, Persönlichkeit zu zeigen.
  • Mut, nicht perfekt zu sein.

Das zeigte sich auch bei vielen erfolgreichen Marken auf der OMR: Sie wirken menschlicher, schneller, nahbarer und weniger "Corporate". Gerade auf LinkedIn sieht man diesen Wandel extrem stark. Menschen folgen heute nicht den lautesten Brands. Sie folgen Perspektiven, Meinungen und Persönlichkeiten.

Was bedeutet das für Unternehmen wie uns?

Für mich war die OMR weniger eine reine Marketing-Konferenz, sondern vielmehr ein Blick darauf, wie sich digitale Kommunikation grundsätzlich verändert. Die spannendste Erkenntnis dabei: Technologie allein wird künftig kein Wettbewerbsvorteil mehr sein.

Fast alles wird schneller kopierbar:

  • Tools
  • Features
  • Workflows
  • Content-Produktion

Was bleibt, sind:

  • Vertrauen
  • Klarheit
  • Community
  • echte Relevanz
  • starke Positionierung

Und genau deshalb werden Unternehmen gewinnen, die:

  • AI sinnvoll integrieren
  • menschliche Kommunikation stärken
  • mutig testen
  • echte Beziehungen aufbauen
  • und nicht nur Reichweite, sondern Wirkung erzeugen

Mein persönliches Fazit

Die OMR 2026 war laut, schnell und teilweise komplett überwältigend, aber zwischen all den Buzzwords bleiben für mich vor allem diese Gedanken hängen:

  • AI verändert gerade die Spielregeln
  • Communities werden wichtiger als Aufmerksamkeit
  • Relevanz schlägt Reichweite
  • und Menschlichkeit wird im digitalen Raum wertvoller statt unwichtiger

Oder um Roland Eisenbrand zu zitieren: "This is sick bro."

…und irgendwie beschreibt das die aktuelle Entwicklung im Internet tatsächlich ziemlich gut.

Donnerstag, 7. Mai 2025 | Aliena Schweizer, Professional Marketing & Communication Specialist